Dienstag, 8. Juli 2008 17:35

Komplettlösung 2.0




Knapp daneben ist auch vorbei. Ich habe mal leichtfertig behauptet, WikiCheats könne den GameFAQs Konkurrenz machen, ja sogar den Rang ablaufen. Nachdem erstere Plattform nun ein Weilchen läuft und ich mich beim Spielen von Mass Effect dann doch ab und an nicht zurückhalten konnte, im Nachhinein (!) zu schauen, ob die andere Alternative nicht doch besser gewesen wäre, konnte ich also nochmal einen Blick auf die beiden Seiten werfen.

Und wie der erste Satz dieses Beitrags vermuten lässt: Ich muss meine These von damals revidieren. WikiCheats kommt nicht so recht in die Pötte. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass den Autoren »von oben« gesagt wird, sie mögen die Artikel doch bitte so schön oberflächlich belassen, oder ob sich einfach nicht genug Leute finden, die helfen wollen; jedenfalls sind die Walkthroughs dort weder detailliert noch besonders hilfreich. Das konnte ich jetzt sowohl an Hand von Crysis als auch Mass Effect nachhalten.

Im Gegensatz dazu sind die Guides von GameFAQs teilweise schon zu ausführlich. Bei den noch immer strikt in plain text geschriebenen Guides herrscht eben auch noch die alte STRG-F-Mentalität vor. Der Ehrgeiz, den dort nicht wenige Autoren haben, ist wirklich bewundernswert, und das sage ich auch und gerade nachdem ich meine Magisterarbeit geschrieben habe, aber sie schießen eben manchmal deutlich über das Ziel hinaus. Praktischerweise gibt es aber neben den All-In-One-Dokumenten meistens auch spezialisierte Guides, ich erinnere mich zum Beispiel an Speed-Run-FAQs zu Super Metroid. Abgesehen davon: Wenn ich die Wahl habe zwischen zu wenig und zu viel Information, gewinnt in diesem Fall eindeutig »zu viel«!

Interessanterweise gibt es eine andere Informationsquelle, losgelöst von den üblichen verdächtigen der Guide-Sammelseiten, die beide Vorzüge miteinander vereint: Unter masseffect.wikia.com wird ebenfalls dezentralisiert an einer Komplettlösung gearbeitet, also ohne Überfülle und Redundanz an Information, aber (überraschenderweise) deutlich detaillierter, als es bei den nur scheinbar dezidierten WikiCheats-Kollegen abläuft.

Und dann gibt es da noch diesen »inoffiziellen« Guide in Print. Wäre ja mal interessant, zu schauen, wie der sich im Vergleich zu den kostenlosen Quellen schlägt.

Donnerstag, 3. Juli 2008 15:15

Dem Turi sein Webzwonull




War ja klar, kaum bin ich mit studieren fertig, kommt noch ein interessanter Gastvortrag bei uns an der Uni. Heute Vormittag war Peter Turi im Institut für Kommunikationswissenschaften, seines Zeichens Sebigboss vom »Branchendienst« turi2 und dem etwas weniger ambitionierten Rezeptblog Küchenruf. Dort stand er dann nach einer nicht zu kurzen anekdotisch-biografischen Selbstbeschreibung Rede und Antwort und sah sich – ich darf das mal so wertend sagen – mit einigen sehr kritischen Gegenfragen konfrontiert.

Nachdem Turi also wortreich seine Achterbahnbiografie zum Besten gegeben hatte, stellte er den Kern vom turi2.de-Angebot vor: Man bediene sich rund um die Uhr Tageszeitungen, Fernsehnachrichten, Fachzeitschriften und Online-Quellen, um ein aggreggiertes Portal für Mediennews zu bieten, in knackig-prägnanter Form geschrieben und mit starken Selektionsfiltern, was die Relevant der jeweiligen Meldungen anginge. Es werden also sechs Mitarbeiter beschäftigt, die kontuierlich Nachrichten abschreiben, verkürzen und mit Wertungen versehen; Turi wollte sich gar einer schönen fünfteiligen Alliteration bedienen, um die Funktionsweise zu erklären, bekam aber nur vier zusammen, ganz viel mit kon- und kom- und so. Da hatte ich schon mein erstes Bullshit-Bingo voll!

Anpassbare RSS-Feeds, algorithmusbetriebe Aggregationsdienste (wie z.B. Rivva) und Crowdsourcing bzw. soziales Tagging sieht er offenbar nicht als Konkurrenten für sein Angebot an, denn der Mehrwert der persönlichen Wertung (also die paar Adjektive zwischen den abgeschriebenen Meldungen) und die redaktionelle Nachrichtenwert-Auswahl steche die automatischen Verfahren aus. Mutig, da im gleichen Atemzug von Webzwonull zu sprechen, wo doch gerade voriges Argument seine Wurzeln in den klassischen Medien offenbart. Aber die vier- bis fünftausend täglichen Unique Visits auf der Site scheinen für sich zu sprechen, glaubt er. (Zum Vergleich: Stefan Niggemeier's BILDblog hat rund das Zehnfache an Unique Visits.) Und acht Kommentare unter einem seiner Beiträge gelten schon als eine »hitzige Diskussion«.

Apropos hitzige Diskussion: Für Don Alphonso und Stefan Niggemeier (wir erinnern uns) hat Turi nach wie vor nur Mitleid übrig, schließlich würden die beiden den Ärger geradezu herausfordern mit ihrer »direkten Art«. (Zum Vergleich: In Don Alphonso's Blogbar beginnt eine hitzige Diskussion erst beim Zehnfachen an Kommentaren.) Immerhin haben die beiden eigene Inhalte, war ich versucht zu sagen, aber Turi betonte noch einmal, wie wichtig es sei, die Quellen der Nachrichten mit anzugeben, das würde ja nicht jeder Branchendienst machen. Da war ich wiederum versucht, die Quote zwischen Page Impressions und Unique Visits in die Waagschale zu werfen, die nicht so großartig sein kann, bei all den direkten Ausgangslinks, das war aber müßig, denn bei turi2 gibt's ja jetzt auch Videos!

Ausgewählte Beispiele von »turi2.tv«, in denen »ausgewählte« »Medienmacher« der Kamera im »guten, alten Fragebogenstil« Auskunft über kulinarische Präferenzen geben, stießen im Seminar nicht auf besonders viel Gegenliebe. Aber Webzwonull stehe ja auch für's Besserwerden und kontinuierliche Entwicklung; es ginge nicht darum, mit einer Idee bis zur Perfektion in der Werkstatt zu bleiben, sondern schnell Inhalte verfügbar zu machen. Jetzt auch in größer, damit auch die Werbebanner breiter werden können. Spoken like a true Web2.0 hero!

Dienstag, 8. April 2008 08:43

Ideenwundertüte 2.0




Webmontag in Bonn? Soso. Da schau ich doch vielleicht mal rein, wo ich es doch die letzten Male in Köln nicht geschafft habe, klang ja immer recht interessant. War dann auch sehr interessant, auch wenn ich mir als Nicht-Startupper und Kaum-Webentwickler teilweise etwas fehl am Platz vorkam. Aber ich hatte meinen Spaß und gelernt habe ich auch noch was, und darauf kommt's doch an, nicht?

Das Café Podcast, das ich bisher nur aus den dort entstandenen Webveröffentlichungen kannte, biederte sich ja metaphorisch fast schon als Austragungsort an, und das hat sich durchaus bezahlt gemacht, in gemütlich-nerdiger Atmosphäre ließen wir uns also von nicht minder nerdigen Beiträgen inspirieren, die fast alle unter dem großen Dach des Web 2.0 und des Crowdsourcing anzusiedeln waren.

MyPeak.net, bei dem ich seit jeher einen nahezu ungenutzten Account rumliegen habe, und über dessen Blog ich überhaupt erst auf diese Instanz des Webmontags aufmerksam geworden bin, war mir ja schon bekannt: Wettbewerbe und Herausforderungen in gemütlicher Community-Atmosphäre. Das "my" im Namen sowie die Farbverläufe auf der Site identifizieren das Angebot über jeden Zweifel erhaben als Web-2.0-Dienst. Vielleicht überlege ich mir mal eine Herausforderung. Mein Problem ist nur: Ich hasse verlieren!

Farbverläufe? Check. Abgerundete Ecken? Check. Multimediale Feed-Applikation? Check. Cellcast.de muss auch ein Web-2.0-Dienst sein! Das Konzept: Podcasten vom Handy. Ich rufe den Webdienst an, spreche auf deren Anrufbeantworter und kann das Gesprochene dann ohne große Mühen in einen Podcast einbinden. Nicht revolutionär, aber wir müssen halt noch alle Tupel-Permutationen von {Feed, Handy, Wiki, Blog, Foto, Podcast, Community} durchexerzieren, bevor wir Web 2.1 andenken können, nicht wahr?

Nach dem gleichen Muster (»Nehme eine Web-2.0-Anwendung und wende sie auf ein Web-1.5-Problem an«) funktioniert auch produki. Abgesehen vom schlimmen Namen gefällt mir die vorgestellte Idee am besten – so sie denn klappt. Produki bietet eine Wiki-Plattform für zentralisierte User-Reviews, -Testberichte, und -Tricks für alle denkbaren (aber hauptsächlich technischen) Produkte; was den verbesserungswürdigen Slogan »Wir lieben Produkte« erklärt. Damit wäre Produki für Ciao.com und Co, was Wikicheats für GameFAQs sein könnte. Heißt: Wenn's klappt, wird's großartig.

Ein paar Details dazu, die ich mir von gestern noch gemerkt habe: Der Anreiz für die User, sich auf produki zu beteiligen, liegt in ihrer Möglichkeit sich zu profilieren. Basic web 2.0 stuff, aber gut umgesetzt. Zu jedem Produkt wird es Hierarchiestufen der Anerkennung geben; jemand, der viele Fragen sinnvoll beantworten kann, steigt auf vom User zum Fan zum Experten und schließlich zum Guru, und die Guru-Position hat nunmal neben der Verantwortlichkeitsübertragung ein enormes Boasting-Potenzial. Jede Produktinformation, alle Pros und Cons, jeder Tipp und jede Frage werden mit Thumb-Up-Thumb-Down-Ratings versehen, was auch eine Hierarchisierung der Informationen möglich machen soll. Ein Musterbeispiel für Crowdsourcing. Ich bin gespannt, ob es funktioniert, denn für so eine Community braucht man einfach eine kritische Masse an Beiträgen und Community vorab, damit es zum Selbstläufer werden kann.

Ich werde da mal mitmachen, nicht zuletzt in der Hoffnung, dass mir endlich jemand sagt, wie ich einen VPN-Client auf mein Nokia E51 bekomme!

Freitag, 12. Oktober 2007 11:19

Die Senf-Gesellschaft




Das neue, das interaktive Web, das oft so buzzwordig Web 2.0 genannt wird, macht aus jedem Nutzer einen Produzenten, aus jedem Leser einen Schreiber, potenziell. Das ist ja zunächst einmal nichts Schlechtes, es ist vielleicht sogar vorsichtig positiv konnotiert: Meinungen, Diskussionen, Schaffensprozesse sind raum-zeitlich ungebunden, der Nutzer ist nicht mehr in siner Passivität den Medieninhalten ausgeliefert, er passt seinen Mediencocktail seinen Bedürfnissen an. Und quasi im Vorbeigehen schafft er neue Informationen. Seien es banale Klickstatistiken, aus denen hochtrabende Relevanzwerte abgeleitet werden wollen, oder seien es großflächig verteilte Meinungsäußerungen in Foren, Kommentaren und Userreviews. Irgendwen wird's schon interessieren.

Wayne zum Beispiel. Wenn Wayne etwas interessant findet, hat es gefälligst niemand sonst interessant zu finden. Wayne ist zu einer Metapher geworden, einem Signal für Belanglosigkeit. Natürlich rein subjektiv. Was für den einen wayne ist, kann für den anderen durchaus relevant sein. Theoretisch. Ansonsten ließen sich kaum die Unmengen von Meinungsäußerungen Meinungskundgaben im Web 2.0 erklären. Literaturkritiken hier, Userreviews dort, Filmbesprechungen links, Testberichte rechts. Jeder hat einen kleinen Reich-Ranicki in sich und im Internet kann der mal die Sau rauslassen.

Doch was bringen tausend Amateurkritiken? Kann der tausendunderste Rezensent etwas schreiben, was nicht die Tausend vor ihm schon geschrieben haben? »Meinungsvielfalt,« schreit jemand von hinten aus einer dunklen Ecke. Brauchen wir so viele Meinungen, so viel Senf? Offensichtlich!, denn würde es nicht gelesen, würde es auch nicht geschrieben werden. Es gibt eine scheinbar unendlich große Nachfrage nach Senf. Mancher Senf erfreut sich einer großen Beliebtheit, anderer ist sehr speziell, kann nur von wenigen wirklich verdaut werden. Aber das ist egal, denn jeder kann sich seine Geschmacksrichtung selber mischen. Und wenn's dann trotzdem noch nicht schmeckt, produziert man einfach selber neuen Senf. Guten Appetit!