Und wie ich da so rumprobiere, war ich überrascht von mir selbst, dass ich der Charaktergenerierung doch einen so großen Stellenwert beimesse. Das war mir gar nicht bewusst. Nein, der Mund passt noch nicht ganz, und als Kriegsheld braucht der gute ja auch noch eine Narbe, aber bitte nicht die, die aussieht wie die von Harry Potter, sondern ruhig etwas realistischer. Und als jemand, der gewissermaßen nur auf Raumstationen gelebt hat, sollte er nicht den dunkelsten Teint haben. Vielleicht rote Haare? Ja, das passt. Und ein markanter Bart? Nein, das nicht, aber der Drei-Tage-Bart wird's tun. Und so weiter.
Im Charaktererschaffungsprozess von Mass Effect spielt nicht nur das Aussehen, sondern auch der Hintergrund des Protagonisten eine Rolle. Man darf wählen aus mehreren Stereotypen, zwischen dem Kriegshelden und dem Katastrophen-Überlebenden, zwischen Militärskind und tragischer Waise. Ich vermute, diese Auswahlen beeinflussen hidden variables, die im späteren Verlauf von Bedeutung sein werden, aber ich finde es gut, dass ich meine Entscheidungen davon nicht abhängig machen muss – vielleicht schaue ich ja im dritten oder vierten Playthrough mal in eine Komplettlösung.
Die zur Auswahl stehenden Stereotype erinnern nicht von ungefähr an klassische Hintergrundszenarien aus Pen-&-Paper-Rollenspielen, wie auch Nick Yee sie identifiziert hat. (Sowas könnte den Senior Gamer interessieren!) Die Stereotype wiederum machen es einfacher, sich im Kopf eine Figur aus Attributen anderer bekannter Helden zusammenzuwürfeln. Ich hatte bei meiner Generierung zum Beispiel Firefly's Mal Reynolds kurzzeitig im Hinterkopf, ebenso wie Rico aus Starship Troopers, mehrere der Galaxy Rangers und natürlich Luke Skywalker. Faszinierend, wie viele Assoziationen da auf einmal getriggert werden. Passt natürlich auch alles hervorragend in die Theorie des »Monomyth« bzw. der »Hero's Journey«, mal schauen, wie klischeehaft Mass Effect da im weiteren Verlauf wird.
Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut: Ich fühle mich meinem Avatar jetzt schon sehr verbunden, habe eine Vorstellung seiner Werte und Ideale und bin bereit, die spielerischen Implikationen (»+2 auf INT« oder was auch immer) hinter den rollenspielerisch-narrativen zurückstehen zu lassen. Das schafft nicht jedes Spiel nach nur einer halben Stunde.
Die zur Auswahl stehenden Stereotype erinnern nicht von ungefähr an klassische Hintergrundszenarien aus Pen-&-Paper-Rollenspielen, wie auch Nick Yee sie identifiziert hat. (Sowas könnte den Senior Gamer interessieren!) Die Stereotype wiederum machen es einfacher, sich im Kopf eine Figur aus Attributen anderer bekannter Helden zusammenzuwürfeln. Ich hatte bei meiner Generierung zum Beispiel Firefly's Mal Reynolds kurzzeitig im Hinterkopf, ebenso wie Rico aus Starship Troopers, mehrere der Galaxy Rangers und natürlich Luke Skywalker. Faszinierend, wie viele Assoziationen da auf einmal getriggert werden. Passt natürlich auch alles hervorragend in die Theorie des »Monomyth« bzw. der »Hero's Journey«, mal schauen, wie klischeehaft Mass Effect da im weiteren Verlauf wird.
Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut: Ich fühle mich meinem Avatar jetzt schon sehr verbunden, habe eine Vorstellung seiner Werte und Ideale und bin bereit, die spielerischen Implikationen (»+2 auf INT« oder was auch immer) hinter den rollenspielerisch-narrativen zurückstehen zu lassen. Das schafft nicht jedes Spiel nach nur einer halben Stunde.
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Ich habe fertig. Geschrieben. Meine Hausarbeit zum Thema Computerspieleadaptionen im Kino. Fünfundzwanzig Seiten geballte Wissenschaftlichkeit. Naja, ein bisschen zumindest. Wer Interesse hat, die Arbeit mal zu lesen, kann mir gerne einen Kommentar mit einer gültigen E-Mail-Adresse da lassen, dann schicke ich die Datei eben raus.
Das heißt, ich kann jetzt mal wieder ein bisschen leben. Spieletechnisch habe ich ja nichts verpasst. Der BioShock-Patch lässt noch immer auf sich warten, die ganzen interessanten Titel erscheinen ja erst in drei bis vier Wochen:
Das wird anstrengend! Die hätten sich ja mal ein bisschen besser absprechen können. Echt jetzt! Derweil gibt es den einen oder anderen Film im Kino, der noch meine Aufmerksamkeit verdient und es liegt ja noch immer das Foucaultsche Pendel auf meinem Nachttisch... Ach, und der nächste Splitscreen wäre auch langsam fällig, oder?
Das heißt, ich kann jetzt mal wieder ein bisschen leben. Spieletechnisch habe ich ja nichts verpasst. Der BioShock-Patch lässt noch immer auf sich warten, die ganzen interessanten Titel erscheinen ja erst in drei bis vier Wochen:
Die Half-Life Orange Box am 17.,
Zeldas Phantom Hourglass am 19.,
Metroid Prime 3 am 26. und
Hellgate: London am 30.
Das wird anstrengend! Die hätten sich ja mal ein bisschen besser absprechen können. Echt jetzt! Derweil gibt es den einen oder anderen Film im Kino, der noch meine Aufmerksamkeit verdient und es liegt ja noch immer das Foucaultsche Pendel auf meinem Nachttisch... Ach, und der nächste Splitscreen wäre auch langsam fällig, oder?
Abteilung unützes Partywissen: Wusstet ihr, dass es in der Wissenschaft zwei grundverschiedene Disziplinen gibt, die sich mit der Analyse von Spielen befassen? Es gibt die game theory und die game studies. Durch meine abenteuerliche Studienkombination habe ich das Glück, bei beiden ein bisschen was mitgenommen zu haben...
Die game theory, oder Spieltheorie, ist ein eher mathematisch-logisch orientierter Zweig aus der Wirtschaft. Es geht darum, Aussagen darüber zu machen, wie man sich in komplexen Entscheidungssituationen verhalten sollte, wenn die Entscheidung nicht nur meine eigenen Ergebnisse beeinflusst sondern auch die anderer »Spieler« Das Gefangenendilemma ist wohl eins der populärsten Beispiele, um die Erklärungsmacht der Spieltheorie erklären zu können. Lest mal ein bisschen hinterher, wenn ihr's noch nicht kennt!
In den game studies, der Spieleforschung, geht es nun tatsächlich um das, was wir landläufig mit »Spiel« bezeichnen, in den allermeisten Fällen sogar nur um Computer- und Videospiele. In der Literatur beginnt da schon der erste kleine Streit damit, die Begriffe »Computerspiel« und »Videospiel« voneinander abzugrenzen. Ich fräse mich ja zurzeit in Vorbereitung auf ein mögliches Magisterarbeitsthema durch einen Haufen Literatur zu dem Thema: Ein wirklich spannendes Forschungsfeld! Ab und an erwische ich einen Text, der klingt, als habe ein alternder Literaturwissenschaftler Tetris für sich entdeckt und ansonsten hat er keine Ahnung von der Materie, aber im Großen und Ganzen gibt es da ordentlich Forschungsbedarf.
Eine wirklich raumgreifende Debatte thematisiert zum Beispiel, inwiefern das Computerspiel eine Erzählung sein kann (und will), oder ob man selbst Aspekte wie Cut-Scenes, die so aussehen, als würden sie eine Geschichte erzählen, unter Gesichtspunkten des Spiels verstehen muss. Diese beiden Positionen nennt man Narratology und Ludology. Und es gibt noch eine, die irgendwo dazwischen liegt: Kann man vielleicht die Gaming-Bestandteile und die Storytelling-Bestandteile getrennt voneinander (aber ein größeres Ganzes bildend) betrachten? Schließlich gibt es keine zwingende Verbindung zwischen der erzählten Geschichte in einem Spiel und dem Gameplay. Es ist nämlich vollkommen willkürlich, ob die Spielfigur mit mittelalterlichen Halbschwertern oder mit futuristischen Lichtschwertern die Prinzessin oder wen auch immer retten muss. Und da die Verbindung zwischen Gameplay und Story bestenfalls arbiträr ist, müsste man die Analyse doch auch zweiteilen können, oder?
Jedenfalls, mit solchen Diskussionen und Themen werd ich wohl einen Großteil meiner Zeit in den nächsten Monaten verbringen, da fällt sicher noch die eine oder andere Leseempfehlung ab, ob ihr wollt oder nicht!
Und natürlich bin ich auch dankbar für Tipps, was ich noch lesen sollte! Hier direkt die ersten zwei: How Microsoft Labs Invented a New Science of Play (via Penny Arcade) und The No Twinkie Database (via Senior Gamer)
Die game theory, oder Spieltheorie, ist ein eher mathematisch-logisch orientierter Zweig aus der Wirtschaft. Es geht darum, Aussagen darüber zu machen, wie man sich in komplexen Entscheidungssituationen verhalten sollte, wenn die Entscheidung nicht nur meine eigenen Ergebnisse beeinflusst sondern auch die anderer »Spieler« Das Gefangenendilemma ist wohl eins der populärsten Beispiele, um die Erklärungsmacht der Spieltheorie erklären zu können. Lest mal ein bisschen hinterher, wenn ihr's noch nicht kennt!
In den game studies, der Spieleforschung, geht es nun tatsächlich um das, was wir landläufig mit »Spiel« bezeichnen, in den allermeisten Fällen sogar nur um Computer- und Videospiele. In der Literatur beginnt da schon der erste kleine Streit damit, die Begriffe »Computerspiel« und »Videospiel« voneinander abzugrenzen. Ich fräse mich ja zurzeit in Vorbereitung auf ein mögliches Magisterarbeitsthema durch einen Haufen Literatur zu dem Thema: Ein wirklich spannendes Forschungsfeld! Ab und an erwische ich einen Text, der klingt, als habe ein alternder Literaturwissenschaftler Tetris für sich entdeckt und ansonsten hat er keine Ahnung von der Materie, aber im Großen und Ganzen gibt es da ordentlich Forschungsbedarf.
Eine wirklich raumgreifende Debatte thematisiert zum Beispiel, inwiefern das Computerspiel eine Erzählung sein kann (und will), oder ob man selbst Aspekte wie Cut-Scenes, die so aussehen, als würden sie eine Geschichte erzählen, unter Gesichtspunkten des Spiels verstehen muss. Diese beiden Positionen nennt man Narratology und Ludology. Und es gibt noch eine, die irgendwo dazwischen liegt: Kann man vielleicht die Gaming-Bestandteile und die Storytelling-Bestandteile getrennt voneinander (aber ein größeres Ganzes bildend) betrachten? Schließlich gibt es keine zwingende Verbindung zwischen der erzählten Geschichte in einem Spiel und dem Gameplay. Es ist nämlich vollkommen willkürlich, ob die Spielfigur mit mittelalterlichen Halbschwertern oder mit futuristischen Lichtschwertern die Prinzessin oder wen auch immer retten muss. Und da die Verbindung zwischen Gameplay und Story bestenfalls arbiträr ist, müsste man die Analyse doch auch zweiteilen können, oder?
Jedenfalls, mit solchen Diskussionen und Themen werd ich wohl einen Großteil meiner Zeit in den nächsten Monaten verbringen, da fällt sicher noch die eine oder andere Leseempfehlung ab, ob ihr wollt oder nicht!
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