Dienstag, 15. Juli 2008 22:38

Electronic Entertainment Exodus




Wie ich so gerade versuche, bei Rock, Paper, Shotgun und GameTrailers.com durch die Neuigkeiten zur E3 zu pflügen, stelle ich fest, dass das gar nicht so einfach ist. Die Neuigkeiten verstecken sich nämlich ganz gut in einem Haufen von Nicht-Informationen und medialer Überflutung. In anderthalb Tagen sind auf den oben angegebenen Seiten 14 ausführliche Artikel und mehr als 150 Einzelvideos veröffentlicht worden. Und die beiden Seiten sind nur die Spitze des Eisbergs, der für mich die Anlaufstellen in punkto Gaming-News darstellt. Es ist schwer, da das wirklich relevante Zeug vom hochgejodelten Bla bla zu trennen.

Überhaupt gab es bisher keine großen Ankündigungen. Sowohl Nintendo als auch Microsoft halten sich auf ihren Pressekonferenzen doch arg bedeckt, was Heraushebenswertes angeht. Abseits davon wurden bisher ein paar Spiele mit konkreten Release-Dates in Verbindung gebracht, aber wir wissen ja, was das bedeutet. Und jeeeede Menge Trailer zu bereits angekündigten Spielen wurden unters Volk geworfen, deren Neuigkeitsgehalt auch unter fünf Prozent liegen dürfte und für die wir keine E3 gebraucht hätten. Manche schaue ich trotzdem, einfach, weil mich das Spiel interessiert. Mission erfüllt, von Seiten der Aussteller.

Jedenfalls kann ich nun zweierlei sehr gut nachvollziehen. Erstens die Einstellung vom Senior Gamer, der sich von dem ganzen künstlich aufgebauschten Rummel erstmal fernhalten will; und zweitens das Aussterben des Computerspielezeitschriftenprintsektors (via), das vor dem Hintergrund der ganzen kostenlosen, unglaublich umfangreichen, schnelleren und nicht selten auch fundierteren Netzberichterstattung – seien wir ehrlich – mehr als verständlich ist.

Donnerstag, 3. Juli 2008 15:15

Dem Turi sein Webzwonull




War ja klar, kaum bin ich mit studieren fertig, kommt noch ein interessanter Gastvortrag bei uns an der Uni. Heute Vormittag war Peter Turi im Institut für Kommunikationswissenschaften, seines Zeichens Sebigboss vom »Branchendienst« turi2 und dem etwas weniger ambitionierten Rezeptblog Küchenruf. Dort stand er dann nach einer nicht zu kurzen anekdotisch-biografischen Selbstbeschreibung Rede und Antwort und sah sich – ich darf das mal so wertend sagen – mit einigen sehr kritischen Gegenfragen konfrontiert.

Nachdem Turi also wortreich seine Achterbahnbiografie zum Besten gegeben hatte, stellte er den Kern vom turi2.de-Angebot vor: Man bediene sich rund um die Uhr Tageszeitungen, Fernsehnachrichten, Fachzeitschriften und Online-Quellen, um ein aggreggiertes Portal für Mediennews zu bieten, in knackig-prägnanter Form geschrieben und mit starken Selektionsfiltern, was die Relevant der jeweiligen Meldungen anginge. Es werden also sechs Mitarbeiter beschäftigt, die kontuierlich Nachrichten abschreiben, verkürzen und mit Wertungen versehen; Turi wollte sich gar einer schönen fünfteiligen Alliteration bedienen, um die Funktionsweise zu erklären, bekam aber nur vier zusammen, ganz viel mit kon- und kom- und so. Da hatte ich schon mein erstes Bullshit-Bingo voll!

Anpassbare RSS-Feeds, algorithmusbetriebe Aggregationsdienste (wie z.B. Rivva) und Crowdsourcing bzw. soziales Tagging sieht er offenbar nicht als Konkurrenten für sein Angebot an, denn der Mehrwert der persönlichen Wertung (also die paar Adjektive zwischen den abgeschriebenen Meldungen) und die redaktionelle Nachrichtenwert-Auswahl steche die automatischen Verfahren aus. Mutig, da im gleichen Atemzug von Webzwonull zu sprechen, wo doch gerade voriges Argument seine Wurzeln in den klassischen Medien offenbart. Aber die vier- bis fünftausend täglichen Unique Visits auf der Site scheinen für sich zu sprechen, glaubt er. (Zum Vergleich: Stefan Niggemeier's BILDblog hat rund das Zehnfache an Unique Visits.) Und acht Kommentare unter einem seiner Beiträge gelten schon als eine »hitzige Diskussion«.

Apropos hitzige Diskussion: Für Don Alphonso und Stefan Niggemeier (wir erinnern uns) hat Turi nach wie vor nur Mitleid übrig, schließlich würden die beiden den Ärger geradezu herausfordern mit ihrer »direkten Art«. (Zum Vergleich: In Don Alphonso's Blogbar beginnt eine hitzige Diskussion erst beim Zehnfachen an Kommentaren.) Immerhin haben die beiden eigene Inhalte, war ich versucht zu sagen, aber Turi betonte noch einmal, wie wichtig es sei, die Quellen der Nachrichten mit anzugeben, das würde ja nicht jeder Branchendienst machen. Da war ich wiederum versucht, die Quote zwischen Page Impressions und Unique Visits in die Waagschale zu werfen, die nicht so großartig sein kann, bei all den direkten Ausgangslinks, das war aber müßig, denn bei turi2 gibt's ja jetzt auch Videos!

Ausgewählte Beispiele von »turi2.tv«, in denen »ausgewählte« »Medienmacher« der Kamera im »guten, alten Fragebogenstil« Auskunft über kulinarische Präferenzen geben, stießen im Seminar nicht auf besonders viel Gegenliebe. Aber Webzwonull stehe ja auch für's Besserwerden und kontinuierliche Entwicklung; es ginge nicht darum, mit einer Idee bis zur Perfektion in der Werkstatt zu bleiben, sondern schnell Inhalte verfügbar zu machen. Jetzt auch in größer, damit auch die Werbebanner breiter werden können. Spoken like a true Web2.0 hero!

Donnerstag, 28. Februar 2008 08:59

RSS, Dire-Straits-Style




We gotta install microwave ovens
Custom kitchen deliveries
We gotta move these refrigerators
We gotta move these colour tvs


Das Schlagwort ist Custom! Custom kitchen deliveries! Custom ist gut, custom ist praktisch, custom ist anpassbar. Und deswegen sind die RSS Feeds von GameTrailers.com denen von, sagen wir, Spiegel weit überlegen. Bei letzteren kann ich zwar einzelne Ressorts abonnieren, aber in einzelnen Feeds. Und innerhalb der Feeds gibt es dann keine Selektion, da werde ich einfach zugeballert, mit allem, was die Welt zu bieten hat. Bei ersterem jedoch, da kann ich einen einzelnen Feed zusammenstellen und nach Optionen tweaken, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie tweaken wollen könnte. Großartig.

Ich fräse mich jetzt mal durch Tonnen an interessanten Video-Reviews, um dann zu heulen, dass ich einen neuen Rechner brauche, dann kurzfristig die PS3 in Betracht zu ziehen und mich schließlich darauf zu besinnen, dass ich ja noch einen Haufen ungespielter Titel hier rumfliegen hab. Tomb Raider Legend, zum Beispiel. Oh, und einen Invite für die Mythos-Beta hab ich ja auch bekommen.

Dienstag, 11. September 2007 11:44

Too much information can kill you!




Ich bin ja seit einigen Wochen auf der Suche nach guten Nachrichten-Feeds. Kann so schwer doch nicht sein, hab ich gedacht, aber da war ich im Unrecht, offenbar. Vielleicht liegt es an meiner Definition von »gut« in diesem Kontext, aber bisher habe ich noch keinen uneingeschränkt guten Nachrichten-Feed gefunden. Lasst mich das Problem kurz darstellen: Der Feed sollte mir kurze und prägnante, aber vollständige Informationen über wichtige Geschehnisse vermitteln, die sich in wenigen Augenblicken erfassen lassen. Das klingt auf den ersten Blick nicht so kompliziert, genau dafür sind die Feeds doch gemacht, oder nicht? Ich will meine Anforderungen ein wenig aufdröseln.

Kurz und prägnant ist eigentlich selbsterklärend, aber offenbar nicht selbstverständlich. Eine Überschrift kann kurz sein und dabei trotzdem überflüssige Stilmittel oder Floskeln beinhalten, die einfach nichtssagend sind oder dem Verständnis nicht dienlich sind. Das ist aber das kleinere Übel. Schlimmer ist, wenn die Meldung zwar kurz ist, aber sogar so kurz, dass die Meldung gar nicht verstanden werden kann.

Ein Beispiel aus der Netzeitung: »Bitterer Rückschlag für den älteren Klitschko: Witali Klitschko hat seinen Comeback- Kampf gegen den US-Amerikaner Jameel McCline unerwartet absagen müssen. Es passierte im Training.« Was jetzt? Das Absagen? Nein, der Bandscheibenvorfall. Aber das erfährt man erst auf halbem Weg durch den vollen Artikel. Und den sieht man natürlich erst, wenn man dem Feed auf die Seite folgt. Wäre es so schlimm gewesen, »wegen eines Bandscheibenvorfalls« statt »unerwartet« in den Lead zu schreiben? (Mitbedenkend, dass Bandscheibenvorfälle in den meisten Fällen unerwartet sein dürften...)

Also: Kurz, aber vollständig. Klappt ja meistens oft, will ich ja nicht bestreiten. Ein größeres Problem ist offenbar das unscheinbare »wichtig« in meiner Forderung. Spiegel Online, zum Beispiel, bietet zig Feeds an, die aber allesamt ungefiltert und unpräpariert sind. Wir sehen nur eine lange Liste von Überschriften, die ohne Unter-Überschrift bzw. Leadsatz einfach viel zu oft nichtssagend sind. Hier wäre es definitiv besser, die Meldungen zumindest ein bisschen nach Wichtigkeit vorzusortieren und zu filtern. Aber das ist in Onlinemedien, wo man ja prinzipiell unbegrenzt Platz hat, eine fehlende Tugend. Oh, aber man kann ja die Feeds einzeln abonnieren, jedes Ressort für sich. Aber das ist auch nur ein schlechter Workaround für fehlende Wahrnehmung der Gatekeeper-Funktion.

Den bisher besten Eindruck in meiner Suche nach einem würdigen Feed machen die heute-Nachrichten. Zwei Überschriften, zwei bis drei vollständige deutsche Aussagesätze (selbst daran mangelt es in manchen Feeds) und in seltenen Fällen Direktlinks zu zusätzlichen Multimediainhalten.

Ähnliches würde ich mir wünschen für Nachrichtendienste, die sich speziell um Meldungen im Bereich der Computerspiele kümmern. Aber in solchen Redaktionen (z.B. die Gamestar und der Eurogamer) gilt offenbar: Einfach alles in den Feed dübeln, was auch nur entfernt an eine Nachricht erinnert. Sogar Unnachrichten wie »Vorerst kein Crackdown 2« landen dann auf meinem Bildschirm. Im Minutentakt. Das muss doch echt nicht sein. Als wenn ich besser informiert wäre, wenn ich weiß, dass ein möglicherweise geplantes Spiel nicht erscheint!

Für den Bereich US-TV-Serien wäre ich auch noch auf der Suche nach einem gescheiten Feed, übrigens. Empfehlungen werden dankend angenommen!