Mittwoch, 23. Juli 2008 10:12

Amazon > Lovefilm




Mir war ja schon bei Vertragsabschluss klar, dass der DVD-Verleih von Amazon in naher Zukunft umziehen würde zu Lovefilm. Abgesehen von dem etwas pornös klingenden Namen habe ich mir da nichts bei gedacht. Der Umzug fand indes dieses Wochenende schon statt und meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Die gute Nachricht zuerst: Ehemalige Amazon-Kunden behalten ihre Vertragskonditionen, die günstiger sind als die Konditionen, die Neukunden bei Lovefilm bekommen.

Aaaaaaber. Der Kundenservice und vor allem die DVD-Wunschlisten-Verwaltung sind vergleichsweise eine Zumutung. In der alten Amazon-Liste konnte ich die Reihenfolge, in der ich die DVDs erhalten möchte, punktgenau sortieren, und wurde detailliert über die Wartezeiten informiert. Das ermöglichte es geschickten Kunden, fast perfekt zu kontrollieren, welche DVD als nächstes ankommen würde, wenn man die Wartezeiten und Sortiermöglichkeiten geschickt miteinander kombiniert.

Lovefilm knickt allerdings das Sortierungssystem für die Wunschlisten zugunsten einer Priorisierungseinstellung. Es gibt nur noch drei Prioritäten, hoch, mittel und niedrig. Zudem werden die Wartezeiten nicht vollständig ausgewiesen. Entweder das, oder der Algorithmus zur Auswahl der nächsten DVD ist ein Arsch. Derzeit liegt nämlich Aliens auf meinem Schreibtisch, obwohl das nur »mittel« priorisiert war und höherpriorisierte DVDs (z.B. Alien (1)!) angeblich sofort verfügbar waren. Irgendwas stimmt da nicht.

Die Dreistigkeit ist aber, dass die FAQ von Lovefilm ergänzt wurde um eine Sektion speziell für ehemalige Amazon-Kunden. Okay, das allein ist nicht dreist, das ist ja vielleicht sogar hilfreich. Aber der Inhalt ist dafür umso lustiger; oder trauriger, je nachdem. Auf die offenbar trefflich antizipierte Frage »Ich war bisher ein Amazon.de DVD-Verleih Kunde, warum kann ich meine Liste nicht mehr sortieren?« antwortet Lovefilm:

Anstelle einer Durchnummerierung können Sie Ihre DVDs in verschiedenen Prioritäten einstufen, dadurch wird unser Service besser und persönlicher.

WTF? Der Service wird definitiv nicht besser, denn der Kunde hat weniger Möglichkeiten, den Service von Lovefilm effektiv zu nutzen, als es bei Amazon noch der Fall war. Und inwiefern der Service »persönlicher« werden kann, erkläre mir bitte der zuständige PR-Bullshitter vom Dienst.

Oh, halt, warte. Hat er ja schon. Oder auch nicht: Natürlich hab ich direkt eine höfliche Mail an den Kundendienst geschickt, mit der Bitte, mir zu erklären, inwiefern der Service nun besser geworden sein, obwohl man ja nun weniger Möglichkeiten zur Anpassung an die eigenen Wünsche hat. Die offenbar aus Textbausteinen zusammengezimmerte Mail geht nicht auf meine Frage ein, sondern walzt noch einmal aus, was in den FAQ schon – sollte man meinen – in ausreichender Länge aber mit mangelndem Geschick umschifft werden sollte. (Bei Interesse poste ich die komplette Mail gerne noch.) Auf ein wiederholtes Nachfragen gab es keine Antwort. Soviel dazu.

Und jetzt schaue ich mir das noch zwei Wochen an, vergleiche nochmal meine Wunschliste mit den DVDs, die ich tatsächlich bekomme, und werde mich dann aller Wahrscheinlichkeit von Lovefilm verabschieden. Ich halte euch auf dem Laufenden.