Donnerstag, 13. Dezember 2007 20:00

Digging deep




Die Literatur erschlägt, nein: fesselt mich zurzeit. Es ist bisschen wie mit einer Hydra, man schlägt ein Buch zu, und neun neue wachsen nach, die auch noch gelesen werden möchten. Und als wäre das nicht zeitaufwendig (und teuer) genug, im Internet tummeln sich ja auch noch so allerhand lesenswerte Dinge, auf die man sich beziehen kann. Wie viel Arbeit sich manche Gamer mit ihrem und für ihr Hobby machen, ist manchmal erstaunlich.

Zum Beispiel recherchiere ich gerade so ein bisschen die Hintergrundstory von Half-Life nach – ist ja schon fast zehn Jahre her, dass ich den ersten Teil gespielt habe – und mir fallen wirklich außerordentliche Sachen in den metaphorischen Schoß. Ein vollständiges Game Transcript und ein ausführlichster Story Guide zum Beispiel.

Ähnlich ging es mir bei Bioshock. Im letzten Beitrag habe ich ja schon den Cinematic Playthrough erwähnt, hinzu kommen dezidierte Motiv-Analysen auf deutsch und auf englisch und ein Spoiler-Interview, das einen halben Kommentarmodus ersetzen könnte.

Von solchen Sachen brauche ich mehr! Wenn ihr noch weiteres empfehlenswertes Hintergrundmaterial kennt oder habt zu wichtigen Spielen der letzten Jahre, nur her damit! Zur Metroid-Reihe suche ich noch einiges, zur Diablo-Reihe ebenfalls, zu System Shock, Deus Ex, Tomb Raider, Doom... Ach, einfach her damit!

Danke!

Montag, 10. Dezember 2007 23:15

Cinematic Playthrough




YouTube my ass! Wie ich so heute mittag das letzte Woche endlich gepatchte Bioshock durchgespielt habe, war ich schon echt beeindruckt. Wirklich ein kleines Stück Videospielgeschichte, vom Setting, der Atmosphäre und der Story her. Das Gameplay hat ein paar Macken, aber das Spiel ist trotzdem sehr, sehr gut. Und da dachte ich, schauste dir mal bei YouTube das alternative Ende an, dann brauchstes nicht alles nochmal durchspielen (und kannst dich etwas auf die Magisterarbeit konzentieren). Alles toll.

Nun stolperte ich aber bei der Suche über einen Begriff, der mein Gamer- und mein Forscherinteresse gleichermaßen angesprochen hat, nämlich Cinematic Playthrough. Ein User hat sich die Mühe gemacht, das Spiel komplett durchzuspielen, und zwar nicht als klassischen Speedrun oder als problemlösungsorientierten Video-Walkthrough, sondern unter dem Gesichtspunkt der bestmöglichen Storyverständlichkeit. An Hinweistafeln wird kurz pausiert, es werden kurze Umwege in Kauf genommen, um die logische Questreihenfolge beizubehalten und alle Dialoge und Zwischensequenzen werden pflichtbewusst mitgespeichert. Eine großartige Idee!

Da frage ich mich aber langsam, ob die Copyrightbeauftragten der größeren Studios nicht langsam aufmerksam werden auf solche Videoplattformen – ich meine, die Story ist doch schon ein gewichter Kaufgrund, nicht? Wenn man bedenkt, dass an anderer Stelle sogar mit rechtlichen Schritten gedroht wird, wenn nur die Handbücher als Scans zum Download angeboten werden. Die Handbücher wohlgemerkt, die heutzutage eh keinen wirklichen Stellenwert mehr für die Spieler und dementsprechend offensichtlich auch nicht mehr für die Hersteller haben!

Jedenfalls: Cinematic Playthrough ist eine echt geile Idee. Mehr davon. Das kommt der ludologischen Theorie der ideal sequence schon ziemlich nahe und wird auch narratologischen Gesichtspunkten gerecht. Tolltoll.

Donnerstag, 6. September 2007 16:21

Anonyme Spoilerophobiker




Sie lauern einfach überall! Selbst an den unscheinbarsten Orten können sie sich verstecken. Und wenn man einen von ihnen erstmal gesehen hat, ist es auch schon zu spät. Spoiler sind ein großer dunkler Fleck auf der Kehrseite der Informationszeitalter-Medaille, habe ich manchmal das Gefühl. Na gut, etwas überdramatisiert an dieser Stelle, aber es ist doch so!

Ich habe mich eben ertappt, wie ich einen guten Freund um Rat gefragt habe, ob ich die Rezension eines neuen Computerspiels in einer bestimmten Computerspielezeitschrift lesen kann, oder ob ich dadurch gespoilert werden könnte. Und kürzlich habe ich naiverweise in einem gewissen studentischen Onlinenetzwerk nach Gruppen gesucht, die den Namen eines bestimmten Charakters aus den Harry-Potter-Büchern beinhalten. War ein Fehler. Andernorts kann man offenbar sogar gefeuert werden, wenn man Harry Potter spoilert, aber das nur am Rande.

YouTube kann man jedenfalls auch nicht mehr uneingeschränkt durchsuchen, Wikipedia sowieso nicht, von diversen episode guides ganz zu schweigen. Einzig Mars Investigations, der Guide zu Veronica Mars bildet(e) da eine positive Ausnahme, indem er den Nutzer einstellen ließ, auf welchem Wissensstand er ist. Auch in Nachbarblogs ist man nicht vor Spoilern gefeit, aber immerhin wird man da vorgewarnt. Da ist es dann die eigene Schuld, wenn man nicht stark bleiben kann.

Lasst uns doch einen Club der annonymen Spoilerophobiker gründen. Nur Selbsthilfegruppentreffen wären dann keine gute Idee: »Hallo, mein Name ist Martin und ich hab mich gestern spoilern lassen. So ein Typ im Kino meinte zu mir, Darth Vader sei der Vater von Luke Skywalker...« – »VERPISS DICH, DU ARSCHLOCH!«

Mittwoch, 5. September 2007 14:14

Warten auf auf Godot v1.2c




Der Volksmund hält die Vorfreude für die schönste Freude. Der Computerspieler von heute mittlerweile auch, mussten wir in letzter Zeit immer häufiger feststellen. Je mehr man sich nämlich auf ein bestimmtes Spiel freut, desto verbuggter wird es frühzeitig veröffentlicht. Besteht eine Korrelation zwischen der Intensität des Prerelease-Hypes und Bugbefallenheit des Spiels? Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

Stalker, Verzeihung: S.T.A.L.K.E.R., der Endzeitshooter mit Rollenspielanleihen, der ursprünglich schon 2003 erscheinen sollte, erschien dann endlich im Frühjahr und war trotz der langen Entwicklungszeit noch nicht wirklich fertig: Der erste Patch hat sogar die alten Savegames unspielbar gemacht.

Gothic 3 wäre ein Kapitel für sich. Obwohl der Community Manager großspurig eine Belohnung für jeden versprach, der einen reproduzierbaren Bug im Spiel entdecken sollte, häuften sich die schlechten Reviews und Beschwerden nach dem Verkaufsstart. Mittlerweile haben offenbar die Fans das Ruder in Sachen Fehlerbeseitigung in die Hand genommen. Beschämend.

Letzte Woche gekauft, bis heute kaum eine Stunde gespielt: Der lange erwartete Edelshooter Bioshock glänzt ebenfalls durch haufenweise Detailprobleme. Die offiziellen Tech-Support-Foren füllen wahrscheinlich inzwischen Bücher. Besonders kontrovers: Ein bestimmter Virenscanner hielt die Datei, die bei der Installation online nachgeladen werden muss, für verseucht und machte somit das Spielen unmöglich. Aber ein Patch ist ja angekündigt. Fragt sich nur, wann der erscheint.

Also warten wir geduldig und freuen uns vor, denn wir ahnen, dass die Freude, die nach der Vorfreude kommt, getrübt sein könnte.