Dienstag, 17. Februar 2009 21:53

Unangemessene Vorfreude





Montag, 16. Februar 2009 08:48

Tote Materie




Ein großartiger kleiner Artikel: http://www.escapistmagazine.com/articles/view/issues/issue_188/5736-Forbidden-Love

In meiner Pubertät habe ich natürlich auch viel Zeit mit dem Computer verbracht. Meine Mutter war davon gar nicht angetan, sie beschimpfte die Technik immer als "tote Materie", nichts Lebendiges, ein sozial verarmendes Medium, eine stubenhockernde Alleingängerbeschäftigung in ihren Augen. Leider hat sie sich nie die Zeit genommen, darauf zu schauen, was genau ich da mit dem Computer eigentlich mache.

Dass ich da gerade mit vier Menschen gleichzeitig chatte, darunter auch Unterhaltungen von durchaus privater und naher Natur; dass ich meinen Gegnern zwar martialisch in den Kopf schieße, wir aber zusammen großen Spaß dabei haben; dass man zum gemeinsamen Rätsellösen und Hinweisesammeln keine reale Präsenz, sondern nur Co-Präsenz in einem virtuellen Raum braucht, um erfolgreich zu kommunizieren...

Der Computer ist lange keine tote Materie mehr, er war es vielleicht in der Anfangszeit, aber mittlerweile ist er für mich eins der wichtigsten Werkzeuge, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Das negiert oder überholt keineswegs die persönliche Kommunikation, es erweitert aber die Möglichkeiten, auch wenn man "allein" zu Hause ist, noch mit anderen zusammen Erfahrungen zu machen.

Vorletztes Jahr zu Weihnachten habe ich mit meiner Mutter Wii Bowling gespielt. Wieder und wieder. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dessen bewusst war, dass wir da gerade mit dieser toten Materie hantieren. Aber sie hatte viel Spaß dabei und wir haben viel gelacht.

Samstag, 7. Februar 2009 10:49

REmembering




Die Story von mehrteiligen Spieleserien ist ja immer so ein Problem. Oder mehrere Probleme, wenn man es genau nimmt. Viele der Kritikpunkte von Ludologen an dem Narrationsverständnis von Narratologen basieren auf diesen Problemen. Das sind so zwei verschiedene Denkrichtungen innerhalb der Game Studies, die einen halten -- grob vereinfacht -- Spiele für Erzählmedien mit ein bisschen Knöpfchendrücken, die anderen glauben, Spiele sind interaktive Medien, auf die man so ein bisschen Storytelling gepropft hat.

Ein Beispiel, weil es grade so aktuell ist: Die Spielereihe Resident Evil umfasst inzwischen rund ein Dutzend Spiele, die alle angeblich im gleichen Universum stattfinden, in dem dieser große Pharmakonzern namens Umbrella diesen zombiefizierenden T-Virus erfunden hat. Soweit ist auch alles gleich. Aber sobald man ein bisschen in die Details schaut, manifestieren sich viele kleine Widersprüche zwischen den einzelnen Titeln.

Ein zentrales Problem dabei ist natürlich, dass schon im ersten Teil der Serie mehrere Enden möglich waren, je nach Charakterwahl und Entscheidungen während des Spiels. Für den weiteren Verlauf der Handlung erklären die Entwickler dann eines dieser Szenarien zum Kanon, das heißt sie definieren eines der möglichen Enden zum "richtigen" Ende. Bei Prügelspielen wie Street Fighter ist das noch problematischer, denn klassischerweise hat dort jeder der Charaktere eine eigene Story und von den teilweise über 20 möglichen Enden ist nur eins das "offizielle". Nicht selten führt das zum sog. Retconning, also dazu, dass die Schreiber im Nachhinein eine Story doch wieder so uminterpretieren, dass sich das irgendwie mit den aktuellen bzw. für den kommenden Teil geplanten Geschehnissen verträgt.

Und, naja, bei so komplizierten und verästelten Geschichten wie der des Resident-Evil-Universums nimmt das paradoxe Dimentionen an. Fans haben ellenlange Plot Guides geschrieben, in dem gut gemeinten Versuch, alle Details unter einen Hut zu bekommen. Und pünktlich zum Release von Resident Evil 5 wird Gametrailers seine Resident-Evil-Retrospektive abgeschlossen haben, die das Ganze nochmal etwas visuell ansprechender verpacken wird. Und dann gibt es da ja noch so eine gewisse Speed-Run-Seite, die einem zusätzlich die Tränen der Rührung in die Augen treibt.

Ich hätte ja gerne Speed Runs, wo die Zwischensequenzen nicht immer weggedrückt werden. Dann könnte ich nochmal grade alle Teile an einem faulen Sonntagnachmittag durchschauen und wäre sehr gerüstet für Resident Evil 5. Als ob mich Degeneration noch nicht genug gehypet hätte...

Donnerstag, 5. Februar 2009 13:51

WCS-Sneak




WCS ist kurz für Worst Case Scenario. Ich hab nie verstanden, ob das nun besser oder schlechter ist als ein GAU, aber das ist ja auch egal. Gestern in der Sneak war so ein WCS-Moment, etwa 25 Sekunden nach dem Beginn des Hauptfilms. "Bride Wars" stand da in bedrohlich großen und bedrohlich pinken Buchstaben auf der Leinwand und ein bedrohlich mürrisches Raunen ging durchs Publikum. Aber wie sich die beiden Bräute so bekriegten, setzte langsam eine Art Galgenhumor ein, den selbst die anwesenden Frauen teilen konnten. Und der eine oder andere amerikanische Kritiker gibt uns Recht. Naja, eigentlich sogar alle.

Jetzt schieb ichs einfach mal auf posttraumatischen Stress, jedenfalls habe ich mir mal so angeschaut, was noch so hätte kommen können statt Bride Wars. Da ist ja einiges interessantes dabei. Für mich zumindest.

Underworld 3, dieses Mal nicht mit Hottie Beckinsale, sondern mit Hotterhottie Rhona Mitra. 96 Hours, dessen Originaltitel Taken für den deutschen Markt offenbar nicht englisch genug war. The International, dessen Anreiz mit Clive Owen stark ansteigt, aber dank Tom Tykwer wieder deutlich absackt. Watchmen; höhö. Wolverine, höhöhöhö. Und in nicht allzu ferner Zukunft Star Trek 11 mit dem inoffiziellen Untertitel "Sylar im Weltall".

Könnte eine schöne Kinosaison werden!

Mittwoch, 4. Februar 2009 11:59

Community Manager muss schon ein super Job sein.




Im letzten Jahr ist mir verdächtig häufig die Job-Bezeichnung "Community Manager" aufgestoßen aufgefallen. Da gab's den Ivan von Flagship, der alle Hände voll zu tun hatte, die vielen Hype-Bälle zu jonglieren, die nach und nach durch unförmige Backsteine ersetzt worden sind, was das Jonglieren doch merklich erschwert hat. Bei 2K Boston hat eine nette Community Managerin in den Foren dafür versucht zu sorgen, dass sich die ständigen "Wann kommt endlich der Patch zu BioShock?"-Fragen in wenigen Threads bündeln, statt das ganze Forum zu einer Meckerplattform werden zu lassen.

Die Command-&-Conquer-Leute haben gefühlte sieben Community Manager, ständig tritt irgendwer vor die Kamera, um Battlecast Primetime (herrlich trashing, btw), Command School oder sonstwas abzufilmen. Man merkt irgendwie, spätestens seit Red Alert 3, dass es denen nicht mehr primär ums Gameplay geht. Das sollte ich wahrscheinlich schade finden, zumal mich dabei selbst die Zwischensequenzen nicht motivieren konnten, bis zum Ende durchzuhalten -- trotz Gemma Atkinson und Gina Carrano (die aber leider nur gefühlte 30 Sekunden Screentime hatte). Und für das Expansion Pack können wir uns auf mehr Gemma und eine Extraportion Naturbursche freuen. (Wer diese Anspielung versteht, darf sich einen imaginären Keks nehmen!)

Was macht denn so ein Community Manager eigentlich? Ich stell mir das so vor, dass der auf allen Meetings dabei ist, keinen Peil von Programmierung oder Production Design hat, aber kräftig mitredet, weil er ja das Ohr am Rad der Zeit hat oder so; also quasi nur durch die Fan-Foren surft und da mit ominösen Halbankündigungen um sich wirft. Und nebenbei hat man noch ein bisschen Spaß mit den Fans oder auf Kosten der Fans.

So jetzt grade Micah, der Community Manager für Diablo III. Der hat nämlich offenbar mal Photoshop angeworfen, um den alten Streit um das angeblich zu bunte Art Design des Spiels nochmal aufleben zu lassen: Auf zwei Screenshot-Montagen, die er gepostet hat, sieht man Spielszenen mit einem Regenbogen-Einhorn und dem Ghostbusters-Marshmallow-Man. Fans hatten wohl gewitzelt, wie der neue, "zu bunte" Cow-Level aussehen würde.

Ich bin mir nicht sicher, was ich davon zu halten habe. War das ein kleiner schulterklopfender Scherz mit den Fans zusammen oder ein schenkelklopfender Scherz im Büro, mit dem man die Fans und deren Eifer beim Verteidigen des düsteren Art Designs auf die Schippe nehmen wollte? Unabhängig davon, was es nun ist, als Community Manager sollte man nicht solche ambigen Nachrichten an die hypefiebrigen Fans loslassen.

Zing. Da ist grad ein kleines Eckchen aus der unique Blizzard's Crown of Fan Pleasing gefallen.

Montag, 2. Februar 2009 10:06

Things to look forward to or not




In mehreren Entwicklergaragen wird wohl gerade letzte Hand an große Hype-Maschinen gelegt. Zumindest vermute ich das. Ist doch immer so, wenn das Weihnachtsgeschäft abklingt und man die Titel des kommenden Jahres ordentlich positionieren möchte. Ich stelle mir da wirklich so ein bedrohliches Mähdrescher-Karnevalswagen-Hybrid-Gefährt vor, an dem pro Entwicklerstudio zwei Leute klöppeln, um es irgendwann in den nächsten Wochen via GameTrailers auf uns loszulassen.

War ja letztes Jahr so mit Prototype, zum Beispiel. Die haben mich richtig heiß gemacht, sah – für so ein frühes Entwicklungsstadium – echt gut aus. Und dann kleckerte das ganze Jahr über ein bisschen zusätzliches Material heran, und irgendwie sah das spätere Zeug nie besser aus als das frühe Zeug, das mich so gehypet hat. Und prompt schlug bei mir der Hype in eine Art Anti-Hype um. So Assassin's-Creed-mäßig. Aber da war das ja erst nach dem Genuss des Spiels.

Ähnlich geht es mir mit StarCraft 2.1. Also, mit dem ersten Teil der StarCraft-II-Trilogie. Ich schüttel grade den Kopf, wie ich diese Zeilen schreibe. Dass man einen zweiten Teil in eine Trilogie ummünzt... Ach, lassen wir das. Diese Ankündigung hat jedenfalls auch einen derben Hypedämpfer mit sich gebracht, aber eben auf Blizzardverhältnisse zugeschnitten. Das heißt, ich freu mich nicht gerade wie ein kleines Kind auf ein frittiertes Bounty, aber ich werd's mir auf jeden Fall holen. Das ist der Blizzard-Bonus.

Und die Spiele, auf die ich mich wirklich freue, die machen (noch?) gar nicht so ein großes Tamtam. Da wäre DeathSpank, das seit einem halben Jahr mit dem Wort "soonerish" angekündigt wird. Es gibt zwei Texte und drei Videöchen, die sich kaum Teaser-Trailer schimpfen lassen dürfen. Aber von dem, was man so weiß, sieht DeathSpank aus wie Diablo mit Munchkin-Humor. Mein Spiel quasi! Ach, und Diablo 3 wird ja auch sehr verhalten beworben, obwohl die Videos letztes Jahr eigentlich schon eine durchaus spielbare Alpha-Version vermuten ließen. Batman Arkham Asylum hat sich auch unter dem Radar so ein bisschen durchgemogelt und durch äußerst euphorische Beschreibungen bei Invisible Walls auf sich aufmerksam gemacht. Und dann wäre da noch Deus Ex 3, wozu es meines Wissens nur ein, zwei veröffentlichte Artworks gibt, dafür aber eine Pressemitteilung und kryptische Ankündigungen, deren interpretatives Potenzial wahrscheinlich bis heute noch nicht vollkommen ausgeschöpft ist.

Auf diese PR-Tiefflieger freue ich mich zurzeit mehr als auf die groß angekündigten Titel wie Resident Evil 5. Aber das ist natürlich auch schon vorbestellt.