Montag, 16. Februar 2009 08:48

Tote Materie




Ein großartiger kleiner Artikel: http://www.escapistmagazine.com/articles/view/issues/issue_188/5736-Forbidden-Love

In meiner Pubertät habe ich natürlich auch viel Zeit mit dem Computer verbracht. Meine Mutter war davon gar nicht angetan, sie beschimpfte die Technik immer als "tote Materie", nichts Lebendiges, ein sozial verarmendes Medium, eine stubenhockernde Alleingängerbeschäftigung in ihren Augen. Leider hat sie sich nie die Zeit genommen, darauf zu schauen, was genau ich da mit dem Computer eigentlich mache.

Dass ich da gerade mit vier Menschen gleichzeitig chatte, darunter auch Unterhaltungen von durchaus privater und naher Natur; dass ich meinen Gegnern zwar martialisch in den Kopf schieße, wir aber zusammen großen Spaß dabei haben; dass man zum gemeinsamen Rätsellösen und Hinweisesammeln keine reale Präsenz, sondern nur Co-Präsenz in einem virtuellen Raum braucht, um erfolgreich zu kommunizieren...

Der Computer ist lange keine tote Materie mehr, er war es vielleicht in der Anfangszeit, aber mittlerweile ist er für mich eins der wichtigsten Werkzeuge, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Das negiert oder überholt keineswegs die persönliche Kommunikation, es erweitert aber die Möglichkeiten, auch wenn man "allein" zu Hause ist, noch mit anderen zusammen Erfahrungen zu machen.

Vorletztes Jahr zu Weihnachten habe ich mit meiner Mutter Wii Bowling gespielt. Wieder und wieder. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dessen bewusst war, dass wir da gerade mit dieser toten Materie hantieren. Aber sie hatte viel Spaß dabei und wir haben viel gelacht.


Kommentare
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Diesen Quantensprung im Kopf kenne ich. Meine Eltern haben ähnliches gesagt und letztendlich daddeln wir des öfteren mal zusammen einige Games auf dem Computer.
#1 Gerhart (Homepage) am 15.06.2009 16:33 (Antwort)

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