Sonntag, 6. Juli 2008 13:16

Von Monomythen und Stereotypen




Und wie ich da so rumprobiere, war ich überrascht von mir selbst, dass ich der Charaktergenerierung doch einen so großen Stellenwert beimesse. Das war mir gar nicht bewusst. Nein, der Mund passt noch nicht ganz, und als Kriegsheld braucht der gute ja auch noch eine Narbe, aber bitte nicht die, die aussieht wie die von Harry Potter, sondern ruhig etwas realistischer. Und als jemand, der gewissermaßen nur auf Raumstationen gelebt hat, sollte er nicht den dunkelsten Teint haben. Vielleicht rote Haare? Ja, das passt. Und ein markanter Bart? Nein, das nicht, aber der Drei-Tage-Bart wird's tun. Und so weiter.

Im Charaktererschaffungsprozess von Mass Effect spielt nicht nur das Aussehen, sondern auch der Hintergrund des Protagonisten eine Rolle. Man darf wählen aus mehreren Stereotypen, zwischen dem Kriegshelden und dem Katastrophen-Überlebenden, zwischen Militärskind und tragischer Waise. Ich vermute, diese Auswahlen beeinflussen hidden variables, die im späteren Verlauf von Bedeutung sein werden, aber ich finde es gut, dass ich meine Entscheidungen davon nicht abhängig machen muss – vielleicht schaue ich ja im dritten oder vierten Playthrough mal in eine Komplettlösung.

Die zur Auswahl stehenden Stereotype erinnern nicht von ungefähr an klassische Hintergrundszenarien aus Pen-&-Paper-Rollenspielen, wie auch Nick Yee sie identifiziert hat. (Sowas könnte den Senior Gamer interessieren!) Die Stereotype wiederum machen es einfacher, sich im Kopf eine Figur aus Attributen anderer bekannter Helden zusammenzuwürfeln. Ich hatte bei meiner Generierung zum Beispiel Firefly's Mal Reynolds kurzzeitig im Hinterkopf, ebenso wie Rico aus Starship Troopers, mehrere der Galaxy Rangers und natürlich Luke Skywalker. Faszinierend, wie viele Assoziationen da auf einmal getriggert werden. Passt natürlich auch alles hervorragend in die Theorie des »Monomyth« bzw. der »Hero's Journey«, mal schauen, wie klischeehaft Mass Effect da im weiteren Verlauf wird.

Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut: Ich fühle mich meinem Avatar jetzt schon sehr verbunden, habe eine Vorstellung seiner Werte und Ideale und bin bereit, die spielerischen Implikationen (»+2 auf INT« oder was auch immer) hinter den rollenspielerisch-narrativen zurückstehen zu lassen. Das schafft nicht jedes Spiel nach nur einer halben Stunde.


Kommentare
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Lol, "Galaxy Rangers"! Stand eher auf "Saber Rider and the Star Sheriffs" oder "Bionic 6" oder "MASK" :-)
Schon erstaunlich, dass alle so Freude an ihrem Shepherd haben! Bei Oblivion hat mich der Typ überhaupt nicht interessiert, aber der hat ja auch nie geredet und den hab ich auch fast nie gesehen (Ego-Perspektive). Mein Shepherd aber ist total mein Held bzw. geliebtes Alter Ego geworden! Ich will gar keinen anderen mehr anfertigen für nen nächsten Spieldurchlauf.
Ich hab versucht, mich bei der Figurenerstellung nirgends zu orientieren bzw. Stereotypen zu vermeiden. Im Nachhinein hab ich aber stark das Gefühl, dass mich Admiral Adama aus "Battlestar Galactica" geleitet hat.
#1 gameria (Homepage) am 06.07.2008 23:21 (Antwort)

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