Es ist so schwer, jemandem, der nichts mit Computerspielen am Hut hat, den Reiz dieser Freizeitbeschäftigung zu erklären. Noch schwerer ist es, einen wissenschaftlichen Diskurs über das Computerspiel mit Leuten abhalten zu wollen, deren Kenntnis der Materie sich bestenfalls auf das eine oder andre Gameplay-Video beschränkt. Diese Woche habe ich beides versucht, mit mäßigem Erfolg.
Irgendwie habe ich als begeisterter Spieler noch immer das Gefühl, ich müsse gegen einen Strom aus Vorurteilen anschwimmen und mein Hobby rechtfertigen, wenn ich mit Nichtspielern darüber spreche. Im Rahmen eines Seminars an der Uni habe ich meine Magisterarbeit vorgestellt und mich an den Diskussionen beteiligt. Ein paar Schmankerl: Nach der Vorstellung von Age of Empires kam die Frage auf »Was ist der Sinn dahinter?« Das ist natürlich die Killerphrase überhaupt, was ist der Sinn hinter einer Freizeitbeschäftigung? Was ist der Sinn von Lesen, Fernsehen oder Aquaristik? Nein, Computerspielen muss einen Sinn haben, macht man ja mit dem Computer und damit macht man nur "sinnvolle" Dinge. Nicht wirklich.
Nach der Präsentation von FarCry kam, natürlich, die unausweichliche Gewaltdiskussion auf. Ich glaube, diese Diskussion macht mich innerlich aggressiver als es das aggressivste Computerspiel je könnte. Ein Statement, paraphrasiert: »Okay, der Einfluss auf Jugendliche ist nicht eindeutig nachgewiesen, aber kann man überhaupt anzweifeln, dass es in der militärischen Ausbildung erfolgreich eingesetzt wird?« – von einer Person, die nach eigenen Angaben noch nie ein Spiel auch nur ausprobiert hat... Es geht mir einfach so auf den Zeiger, dass die Leute sich von der grafischen Repräsentation der Spielwelt so beeindrucken lassen, dass sie glauben, es sei unwichtig, sich die Spieldimensionen und die Anforderungen an den Spieler überhaupt anzuschauen.
Genau das gleiche in der Gender-Diskussion. Lara Croft sei ja eine hypersexualisierte Ikone mit männlich konnotierten phallischen Waffen und einem nicht minder phallischen Pferdeschwanz, weshalb dem Spieler, so Freud, direkt Kastrationsangst attribuiert werden muss. Heilige Scheiße! Im Spiel geht es um Fingerfertigkeit, Reaktionsschnelligkeit, ein kleines bisschen Knobeln und räumliches Denken. Das sind die Dimensionen, in denen ein Computerspiel erst einmal analysiert werden muss. Dann kann man sich anschauen, wie die Story dargestellt wird und wie Story und Gameplay ineinander greifen, um die Spiel-Erfahrung zu formen. Aber nein, die Forschung (allen voran Laura Mulvey und Helen Kennedy, bitte googelt selbst!) stürzt sich erst einmal auf das Missverhältnis aus Möpsen und Springerstiefeln. Wie die aus der bloßen Anschauung von Screenshots Aussagen über die Spiele, die Spieler oder die Spiel-Erfahrung ableiten wollen ist mir echt schleierhaft.
Ich bin mal gespannt, wie viele tatsächlich spielende Forscher kommende Woche auf dem Clash of Realities sind. Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung reicht es jedenfalls nicht, den eigenen Kindern beim Spielen zuzuschauen und daraus irgendwelche Schlüsse ziehen zu wollen! Das ist so, als wolle man vom bloßen Foto eines Autos auf dessen Fahreigenschaften in Steilkurven schließen, und von diesen Fahreigenschaften auf die Veranlagung des Fahrers.
Irgendwie habe ich als begeisterter Spieler noch immer das Gefühl, ich müsse gegen einen Strom aus Vorurteilen anschwimmen und mein Hobby rechtfertigen, wenn ich mit Nichtspielern darüber spreche. Im Rahmen eines Seminars an der Uni habe ich meine Magisterarbeit vorgestellt und mich an den Diskussionen beteiligt. Ein paar Schmankerl: Nach der Vorstellung von Age of Empires kam die Frage auf »Was ist der Sinn dahinter?« Das ist natürlich die Killerphrase überhaupt, was ist der Sinn hinter einer Freizeitbeschäftigung? Was ist der Sinn von Lesen, Fernsehen oder Aquaristik? Nein, Computerspielen muss einen Sinn haben, macht man ja mit dem Computer und damit macht man nur "sinnvolle" Dinge. Nicht wirklich.
Nach der Präsentation von FarCry kam, natürlich, die unausweichliche Gewaltdiskussion auf. Ich glaube, diese Diskussion macht mich innerlich aggressiver als es das aggressivste Computerspiel je könnte. Ein Statement, paraphrasiert: »Okay, der Einfluss auf Jugendliche ist nicht eindeutig nachgewiesen, aber kann man überhaupt anzweifeln, dass es in der militärischen Ausbildung erfolgreich eingesetzt wird?« – von einer Person, die nach eigenen Angaben noch nie ein Spiel auch nur ausprobiert hat... Es geht mir einfach so auf den Zeiger, dass die Leute sich von der grafischen Repräsentation der Spielwelt so beeindrucken lassen, dass sie glauben, es sei unwichtig, sich die Spieldimensionen und die Anforderungen an den Spieler überhaupt anzuschauen.
Genau das gleiche in der Gender-Diskussion. Lara Croft sei ja eine hypersexualisierte Ikone mit männlich konnotierten phallischen Waffen und einem nicht minder phallischen Pferdeschwanz, weshalb dem Spieler, so Freud, direkt Kastrationsangst attribuiert werden muss. Heilige Scheiße! Im Spiel geht es um Fingerfertigkeit, Reaktionsschnelligkeit, ein kleines bisschen Knobeln und räumliches Denken. Das sind die Dimensionen, in denen ein Computerspiel erst einmal analysiert werden muss. Dann kann man sich anschauen, wie die Story dargestellt wird und wie Story und Gameplay ineinander greifen, um die Spiel-Erfahrung zu formen. Aber nein, die Forschung (allen voran Laura Mulvey und Helen Kennedy, bitte googelt selbst!) stürzt sich erst einmal auf das Missverhältnis aus Möpsen und Springerstiefeln. Wie die aus der bloßen Anschauung von Screenshots Aussagen über die Spiele, die Spieler oder die Spiel-Erfahrung ableiten wollen ist mir echt schleierhaft.
Ich bin mal gespannt, wie viele tatsächlich spielende Forscher kommende Woche auf dem Clash of Realities sind. Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung reicht es jedenfalls nicht, den eigenen Kindern beim Spielen zuzuschauen und daraus irgendwelche Schlüsse ziehen zu wollen! Das ist so, als wolle man vom bloßen Foto eines Autos auf dessen Fahreigenschaften in Steilkurven schließen, und von diesen Fahreigenschaften auf die Veranlagung des Fahrers.
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